05 SEC gehackt und gekapert von Bitcoin Community
Am 9. Januar 2024 genehmigte die US-Börsenaufsicht SEC erstmals nach jahrelangen Anläufen den Bitcoin Spot ETF – vorangetrieben durch den weltgrössten Vermögensverwalter BlackRock. Ein Hack des SEC-Accounts sorgte dabei für Aufsehen und Kursschwankungen.
Der neue SEC-Chef Paul Atkins, eng mit der Krypto-Industrie vernetzt, pusht die Deregulierung, stoppte Ermittlungen gegen Coinbase und Kraken, bringt gefährliche "Super-Apps" und heikle Ausnahmen, für den traditionellen Finanzmarkt im Bitcoin-Paradies USA.

Details für Nerds:
Am 9. Januar 2024 genehmigte die US-Börsenaufsicht SEC den Bitcoin Spot ETF. Der Markt gierte schon monatelang danach. Nein jahrelang, seit dem Antrag für den "Winklevoss Bitcoin Trust" 2013, waren zehn weitere Versuche gescheitert. Doch diesmal war BlackRock federführend. ETF-Anträgen des grössten Vermögensverwalters der Welt scheitert höchst selten. Dieser spezielle ETF ermöglicht Wechselkursspekulationen ohne einen aufwändigen Bitcoin-Account.
Lange vor der offiziellen Genehmigung sorgte eine gefälschte Bekanntmachung auf dem von Bitcoin-Fanatikern gehackten X-Account der SEC für Aufsehen und heftige Kursschwankungen. Der 25-jährige Täter gelangte über Identitätsdiebstahl durch SIM-Swapping in den SEC-Account. Für seinen Hack erhielt er 50.000 Dollar in Bitcoin. In der folgenden Woche wurde der Antrag mit knapper Mehrheit genehmigt. SEC-Chef Gary Gensler betonte, die Zulassung bedeute keine Unterstützung der Aufsichtsbehörde für Bitcoin.
Im April wurde der krypto-kritische Gensler durch Paul Atkins abgelöst, der sofort in die Kritik geriet, die Behörde als Plattform für Krypto-Lobbyismus zu missbrauchen. Atkins ist seit Jahren eng mit der Krypto-Industrie vernetzt: Er war Berater von Ripple Labs – einem Unternehmen, das sich jahrelang in einem Rechtsstreit mit der SEC befand – und ist CEO des Beratungsunternehmens Patomak Global Partners, das Krypto-Start-ups in Compliance-Fragen berät. Zudem war er bis Ende 2024 Co-Vorsitzender der Krypto-Lobbygruppe "Token Alliance".
Mitte des Jahres präsentierte Atkins sein "World Capital of Crypto"-Projekt. Im September nannte er als "Nummer-eins-Aufgabe" die Deregulierung von Krypto; für Krypto-Unternehmen gilt eine "Innovationsausnahme" – alles ist erlaubt. Ermittlungen gegen die grossen Krypto-Plattformen Coinbase und Kraken wurden eingestellt.
Atkins setzt sich für "Super-Apps" ein, auf denen sowohl regulierte Wertpapiere als auch nicht regulierte Krypto-Token gehandelt werden können – selbst wenn diese nicht explizit von der SEC überwacht werden. Viele digitale Assets, darunter Meme-Coins, sollen künftig nicht mehr als Wertpapiere gelten und damit der SEC-Aufsicht entzogen werden. Die "In-kind redemption" für Krypto-ETPs erlaubt es, solche "Exchange Traded Products" mit Kryptowährung zu bezahlen. Schon jetzt hat die SEC genug "Innovationen", um den traditionellen Finanzmarkt im Bitcoin-Paradies USA gegen die Wand zu fahren.