16 PoW-Mining nutzt überwiegend fossile Energie

15.12.2025

Laut der 3rd Global Cryptoasset Benchmarking Study (2021) stammten nur 39 % des Bitcoin-Mining-Stroms aus erneuerbaren Quellen, während der Digital Mining Industry Report (2025) den fossilen Anteil auf 47,6 % senkte. Wie plausibel ist diese Verbesserung, basierend auf Selbstauskünften vor Allem nordamerikanischer Miner? Sie ignoriert zudem APAC. Fragwürdig auch die Reporting Lücke von Ende 2023 bis Mitte 2025. Sie spart den aggressiven Pro-Fossil Kurs der Trump-Administration aus.

Tatsächlich könnte der CO₂-Ausstoss des Minings bei 0,12–0,2 % der globalen Emissionen liegen (statt der behaupteten 0,08 %), da die Studie regionale Strommix-Daten und aktuelle politische Entwicklungen ausblendet – ein alarmierendes Signal angesichts der dringend benötigten Klimagasreduktion.

Details für Nerds:

Laut der 3rd Global Cryptoasset Benchmarking Study des Cambridge Centre for Alternative Finance (CCAF) aus dem Jahr 2021 stammten durchschnittlich 39 % des Energieverbrauchs für Bitcoin-Mining aus erneuerbaren Quellen, während 61 % auf fossile Energieträger wie Kohle und Erdgas entfielen. Die Studie bezog sich dabei auf den Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index (CBECI), der den jährlichen Stromverbrauch 2021 auf 100 TWh schätzte.

Im April 2025 veröffentlichte das CCAF den Digital Mining Industry Report, der den Anteil fossiler Energien auf nur noch 47,6 % bezifferte und, bei einem Strombedarf von 138 TWh einen weltweiten CO₂-Ausstoss von 0,08 % annimmt. Eine Tendenz hin zu erneuerbaren Energien? Eine hinnehmbare Gesamtbelastung für das Klima? Mining Report und Benchmarking Studies sind methodisch kaum vergleichbar.

Die Benchmarking-Studie von 2021 nutzte regionale Strommix-Daten und Modellierungen. Der Mining Report von 2025 übernahm ungeprüft die Selbstauskünfte der Unternehmen zu ihren erneuerbaren Energiequellen. Gibt ein Miner an, 80 % Wasserkraft zu nutzen, wird dies unkritisch übernommen – ohne Berücksichtigung des regionalen Durchschnitts. Greenwashing stehen Tür und Tor offen. Geografische Strommix-Daten, die Grundlage der früheren Studien, bleiben unberücksichtigt. Warum die Abkehr von der bewährten Methode die in der Vergangenheit zu weniger schmeichelhaften Ergebnissen für die Mining-Branche führte? Zudem bleiben Länder wie Kasachstan (nur 11 % erneuerbare Energien) oder das mittlerweile für Mining verbotene China, in dem trotzdem ca. 20 % des Minings stattfindet, in der neuen Studie unberücksichtigt.

Im Abschnitt "Goals and Limitations" betont das CCAF, dass die Daten des Mining Reports von 49 Unternehmen stammen, die zwar 48 % des globalen Mining abdecken, jedoch fast ausschliesslich aus Nordamerika kommen. Zudem klafft eine Lücke zwischen Datenerhebung (2023 bis Anfang 2024) und Veröffentlichung (April 2025), die aktuelle Entwicklungen – etwa Standortverlagerungen oder Energiequellenwechsel nach der Machtübernahme Trumps – ausser Acht lässt.

Einerseits präsentiert der Mining Report ein sehr wohlwollendes Bild des Mining, andererseits stehen ihm die Zahlen der Vorjahre und die klimapolitische Agenda der Trump-Administration gegenüber. Diese fördert gezielt die Nutzung fossiler Energien, um Fracking und Kohleabbau zu stärken. Bitcoin-Mining ist prädestiniert für die Abnahme solcher Energie. Seit der Wirtschaftskrise 2008 stieg die US-Fracking-Produktion bei Öl um 168 % und bei Schiefergas um 1.300 %, was das BIP um 1 % erhöhte und 725.000 Arbeitsplätze schuf – vor allem in von der Krise betroffenen Regionen.

Das Engagement der Trump-Familie im Bitcoin-Mining und die ablehnende Haltung des Präsidenten gegenüber Umweltschutz legen nahe, dass er die US-Mining-Branche Fossil-Mining als rentabel und strategisch wichtig ansieht. Bei einem Bitcoin-Kurs von 28.000 USD (Durchschnitt 2023) wäre Fossil-Mining kaum profitabel. Seitdem haben die Nachfrage durch Bitcoin-Spot-ETFs und politische Massnahmen der Trump-Administration den BTC-Kurs in einen günstige Bereich für Fossil-Mining getrieben.

Der geschätzte Jahresstromverbrauch liegt laut Mining Report bei 138 TWh (≈ 0,54 % der globalen Stromnachfrage) und die CO₂-Emissionen bei 39,8 MtCO₂e (≈ 0,08 % der weltweiten Emissionen). Der aktuelle Stromverbrauch wird vom CBECI auf 200 TWh geschätzt, was den CO₂-Ausstoss auf 0,12 % der globalen Emissionen anhebt – vorausgesetzt, man übernimmt die Selbstauskünfte der Miner. Doch: Nur 38 % des globalen Minings findet in den USA statt, wo die Miner befragt worden sind, und der Anteil der "ehrlichen" Miner ist unklar. Die tatsächliche Belastung könnte also deutlich höher liegen – bei 0,2 % oder mehr. Angesichts Dringlichkeit, Klimagase zu reduzieren, sind solche Zahlen alarmierend. Die Folgen der CO₂-Steigerung statt -Reduzierung werden unterschätzt. Doch es ist noch nicht aller Tage Abend.